Hessen im Regen: Wenn Wolken schwarz werden
Regnerische Tage und Gewittergefahr prägen derzeit das Wetter in Hessen. Einblicke in die Stimmung, die solch ungemütliches Wetter mit sich bringt, und was es über uns aussagt.
Das Wetter in Hessen hat derzeit etwas von einem ungebetenen Gast, der einfach nicht gehen möchte.
Regnerische Tage und die ständige Gefahr von Gewittern haben sich in den letzten Wochen zu einem festen Bestandteil unseres Alltags entwickelt. Man könnte fast meinen, die Sonne hätte einen langfristigen Urlaub gebucht – und wir alle wissen, wie sehr die Hesse die Sonne schätzen. An solchen Tagen ist der Himmel oft so grau, dass man ihn glatt für einen alten Fernseher halten könnte, bei dem der Empfang auf Störungen programmiert ist.
Ein Grund für die große Unzufriedenheit, die dieses Wetter mit sich bringt, ist die ständige Unberechenbarkeit der Wettervorhersage. Man begibt sich morgens mit einem Regenschirm aus dem Haus, nur um mittags in der griechischen Taverne um die Ecke vom strahlenden Sonnenschein geblendet zu werden. Und dann, kaum hat man den Kaffee bestellt, ziehen die Wolken erneut auf. Gewitter sind mittlerweile nicht mehr nur eine spannende Naturerscheinung, sondern verwandeln sich oft in die neueste Ansage im Wetterbericht. Man fragt sich, wie viel Blitze und Donner eine Region tatsächlich ertragen kann, bevor sie ihre Gelassenheit verliert.
Ein weiteres, weniger triviales Anliegen sind die Auswirkungen auf unsere Gemütslage. Jene grauenhaften Tage laden nicht wirklich zu fröhlichen Aktivitäten im Freien ein. Stattdessen zieht es uns in die warmen, aber oft zu gediegenen Innenräume. Wir nehmen uns vor, die Zeit sinnvoll zu verbringen – ein Buch lesen, die Wohnung aufräumen oder, noch schlimmer, die letzte Staffel einer Serie zu sehen, die wir schon lange hinter uns lassen wollten. Das alles mag zwar einen gewissen Reiz haben, aber irgendwann sehnt man sich doch nach frischer Luft und dem Gefühl, dass die Sonne tatsächlich noch existiert.
Natürlich gibt es auch den skeptischen Optimisten, der beharrlich darauf besteht, dass der Regen eine „Erneuerung“ für die Natur darstellt. Diese Sichtweise hat ihre Berechtigung, keine Frage, und ja, die Pflanzen brauchen Wasser. Aber können wir wirklich das ganze Jahr über auf das Wohlergehen der Flora warten, während wir uns in unseren dicken Pullovern verkriechen? Vielleicht sind wir einfach zu verwöhnt von der Jahreszeit, die uns blühende Wiesen und blauen Himmel entgegenbringt. Aber die schauspielerische Leistung der Wolken und ihre akustischen Begleiterscheinungen sind doch etwas, was die wenigsten von uns auf der „Pro“-Seite der Wetterbilanz auflisten würden.
Die melancholische Überzeugung, dass der Regen unseren Alltag dominiert, könnte durch eine gewisse Aktivität gemildert werden. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Hesse ihre Freizeit in der Natur mit einem Schirm und Gummistiefeln entdeckt. Wanderungen durch den Wald bei Nieselregen können durchaus ihren Reiz haben. Das Rascheln der Blätter, das Klopfen der Tropfen auf die Oberfläche des Wassers – gelebte Poesie, könnte man sagen. Aber seien wir ehrlich: Wenn die Klamotten einmal durchnässt sind und die Haare sich anfühlen, als kämen sie direkt vom Friseur – in der Badewanne gemütlich gemacht – ist die Erneuerung des Geistes schnell wieder nebensächlich. Es bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück, ein wenig wie bei einer Tasse überbrühtem Tee, die weder heiß noch kalt ist.
Es gibt also tatsächlich viel zu diskutieren, wenn das Wetter in Hessen die Gemüter erhitzt – oder abkühlt. Am Ende des Tages stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit solch einem Klima um? Gewöhnen wir uns an die Unbeständigkeit oder stellen wir uns stur der Tatsache, dass wir einen Umweg über die Garderobe nehmen müssen, um uns nach dem Wetter zu kleiden? Jeder muss hier seinen eigenen Weg finden, um die regnerischen Tage zu überstehen – bevorzugt mit einem trockenen Unterstand und einer Tasse heißem Tee in der Hand.